ELKE WREE – MALEREI UND ZEICHNUNG


Zeitraum: 15.09.2019 – 10.11.2019 // Vernissage: Sonntag, 15.09.2019, 11:00 Uhr
Öffnungszeiten: Montag – Samstag: 08:00 – 19:00 Uhr; Sonntag: 08:00 – 16:00 Uhr

Der französische Maler Jean Bazaine sagte im letzten Jahrhundert über die abstrakte Malerei:

„Nicht auf ein Einfaches, sondern auf ein komplexes Sehen kommt es an; darauf dass man sich leidenschaftlich, ins Unwegsame begibt. Das Elementare, das wir dunkel anstreben, ist, wie die Erde selbst, eine Ballung unzählbarer Schichten von Lebendigem. Wirkliche Sensibilität besteht erst da, wo der Maler entdeckt, daß die Bewegungen der Bäume und die Haut des Wassers miteinander verwandt sind, da, wo er, nachdem die Welt sich auf diese Weise allmählich zusammengezogen und verdichtet hat, inmitten der Unzahl von Erscheinungen die großen wesentlichen Zeichen hervortreten sieht, die seine eigene Wahrheit und zugleich auch die Wahrheit des Alls sind.“

Um die großen wesentlichen Zeichen, um Landschaftszeichen geht es auch im Werk und in der heutigen Ausstellung der Künstlerin Elke Wree.

Elke Wree ist 1940 in Flensburg an der Ostsee geboren. Nach einem zweijährigen Studium der Kunstgeschichte in Kiel, absolvierte sie eine künstlerische Ausbildung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe sowie an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Berlin. Danach folgte ein zweijähriger Aufenthalt von 1967–1969 als DAAD-Stipendiatin in Paris. Elke Wree lebt und arbeitet seit 1969 in Karlsruhe, wo sie im Jahr 2004 für ihr künstlerisches Lebenswerk mit dem Hanna-Nagel-Preis ausgezeichnet wurde.

Ihr inhaltliches Lebensthema – die Landschaft – hat Elke Wree bereits früh als junge Künstlerin gefunden und ist ihm seit über 50 Jahren treu, stets verbunden mit der Suche nach dem Wesen der Malerei. Die kontinuierliche, in den fünf Jahzehnten geleistete schöpferische Arbeit verlief ohne Brüche und überzeugt in ihrer Konsequenz bis heute noch. Für Elke Wree, in unmittelbarer Nähe des Meeres aufgewachsen, als Malerin von dieser Landschaft geprägt, waren See und Küste, Himmel und Wolken, Sonne, Licht und Wind, immer von neuem Anlass, sich mit ihnen bildnerisch auseinander zu setzen:

„Bei einem Aufenthalt am Meer, das für mich eine unendliche Faszination bedeutet, habe ich mir überlegt, wie aus dieser Sehnsucht nach der Darstellung einer komplexen Empfindung ein Bild gestaltet werden kann. Das Meer ist für mich ein immerwährender Sehnsuchtsort, vor allem die Küste, also die Verbindung von Land und Meer – das ist sicher eine frühe Prägung.“

In die Stille, in die Landschaft hineinzuhören, zu sehen, zu riechen, sich bewusst auf sie einzulassen und dem Augenblick in seiner Kargheit Tiefen zu geben, das ist eine besondere Befähigung zur Konzetration auf das Wesentliche. Nach diesen Erlebnissen gilt es im Atelier innezuhalten, um in einer Zäsur Zeit für Reflexionen zu schaffen und das Erlebte zu verarbeiten und dann in ruhiger Gelassenheit einer inneren Klarheit zu folgen. Auch wenn manche Bildtitel wie Wasserlilien, Seerosenteich, Seestück, Hot Springs, Helles Tal, Calore/Wärme, Rosenblätter, Nebelwald, Frühlingslicht, La vie en rose, Bosco in Andeutungen durchaus auf die Quellen der Inspration verweisen, sind sie keine Landschaftsporträts. Der Künstlerin geht es nicht um eine möglichst abbildhafte Wiedergabe und ein wirklichkeitsgetreues Kolorit der Landschaft, sondern vor allem um die Beobachtung von Strukturen und Rhythmen, um Atmosphärisches und Stimmungshaftes. Elke Wree befreit das Motiv so weit von seiner Form, bis es sich nicht mehr auf das Gegenständliche zurückführen ließ. Die Bilder wollen keine konkreten Landschaftseindrücke visuell festhalten, sondern eher Erinnerungen an die Atmosphäre eines Ortes, das innere Erleben und Empfinden von Natur zum Ausdruck bringen. Es sind also eher von Eindrücken ausgelöste Emotionen als die Eindrücke selbst im Spiel. Wenn Elke Wree malt, gibt sie sich keine Rechenschaft über das, was sie gesehen hat, sondern nur darüber, wie sie es gesehen hat. Es ist eine ständige malerische und zeichnerische Auseinandersetzung mit einer innerlich geschauten Natur.

 „Ich fange vage an, setzte ein paar lasierte Flächen, eine lockere Linienstruktur, ein paar farbige Akzente – und schon ist die erste Festlegung da. Jeder Farbfleck, jede zeichnerische Geste schafft eine Bildrealität, mit der es umzugehen gilt. Verbindungen, Betonungen, Steigerungen: so entsteht ein immer komplexeres Gewebe, das seine eigene Logik hat und dabei den Ausgangspunkt nicht verlieren sollte. Also, immer wieder die Erinnerung an den bestimmten Eindruck und gleichzeitig der Versuch, in dem Entstandenen konsequent weiter zugehen bis zu einer überzeugenden Bildgestalt- und Ordnung, ein immer wieder höchst spannendes Abenteuer. Im glücklichsten Fall entsteht dabei eine Bild, das eine Übereinstimmung von Form und Inhalt erreicht, das vielfältig, in sich logisch und in seiner Formensprache stimmig ist.“

In den Arbeiten von Elke Wree wird nicht nachahmend Realität gesucht, sondern werden visuelle Wunder als Ergänzung unserer Welterfahrung geschenkt.

Krisztina Jütten, M.A.

Fotografie: Gerd Jütten FOTODESIGN